ANDREAS FRYE  singt  VIVAT BELLMAN!



Carl Michael Bellman
   

Carl Michael Bellman starb am 11. Februar 1795 in Stockholm, dort wo er 55 Jahre zuvor, am 4. Februar 1740, geboren worden war. Die Zwischenzeit oder sein Leben verbrachte er ebenfalls so gut wie ausschließlich in Stockholm.

Bellman war von gehobener bürgerlicher Herkunft, mit wenig Neigung jedoch für eine dementsprechende Laufbahn ausgestattet, und geriet so, ab seinem 23. Lebensjahr, auf das, was man vielmehr als schiefe Bahn bezeichnen würde, jedenfalls äußerlich, oder, dramatischer gesagt, wirtschaftlich. Nach einer exquisiten Erziehung durch einen poetologisch versierten Privatlehrer und nach einigen theologisch-literarischen Versuchen war ein Studium in Upsala schon im Ansatz gescheitert. Aus einer Anstellung bei der Bank wird er nach seinem persönlichen Bankrott entlassen. "Ich bin eben kein Ziffernmensch" läßt der "Supernumerar" verlauten, der sein Lebtag bei Instituten wie Bank, Manufakturkontor und Zoll, sowie später bei der Zahlenlotterie angestellt ist, jedenfalls nominell. Tatsächlich dürfte er seinen jeweiligen Aufgaben nur sporadisch nachgekommen sein; seine Anstellung als Lotteriesekretär war allemal nur eine Pfründe.

Jenseits dieses Anscheins bürgerlicher Geschäftsfähigkeit spielte sich Bellmans wirkliches Leben ab. Schon früh hatte er bewiesen, daß er mit einem außergewöhnlichen lyrischen Talent begabt war. Mit diesem Talent brauste er dann in den sechziger Jahren als wilder Bohémien durch die wildesten Gesellschaften, um diese mit seinen oft aus dem Stegreif vorgetragenen Liedern von Liebe, Lust und Weingenuß in Begeisterung zu versetzen. Bald fanden sich Gönner aus höheren und höchsten Kreisen: Ab seinem 32. Lebensjahr, also ab Anfang der siebziger Jahre, wurde kein geringerer als der König, der aufgeklärte und mit großer Verve neu angetretene Gustaf III., zu seinem bedeutendsten Förderer, der ihm unter anderem besagte Pfründe als Königlicher Lotteriesekretär verschaffte. Bellman trat nun in feineren Gesellschaften auf, und feiner wurden in Stoff und Faktur auch die nach seinem Alter ego benannten Fredmanslieder. Doch Bellman durchdrang alle Schichten, seine alten Freunde wurden ihm nicht fremd, und sein Umgang blieb durchwachsen, wie die Szenen seiner Lieder meistens bürgerlich oder frühproletarisch, gerne höfisch, als Stimmungston auch vom bäuerlichen vierten Stand, selten freilich adelig bevölkert. In den gehobeneren Kreisen wurde er derweil als geliebter Troubadour herumgereicht, ohne je wirklich einen materiellen Gewinn daraus ziehen zu können.

Allerdings ging er auch mit dem Geld, von dem ihm zeitweilig durchaus mehr hereinkam als manch anderem Stockholmer jener Tage, nicht um, allenfalls in dem Sinne, daß er seinem Umgang aus vollen Händen lieh und schenkte, solange er hatte. Sein Interesse richtete sich stets nur naiv und direkt auf Schönheit und Geist, letzterer oftmals Wein genannt, das erstere hingegen Ulla, Jeanna, Anna Stina und so fort; Lotta, Sophia, Cajsa Stina... Dann hießen ihm Schönheit auch Tiergarten und Brunsvikmeer, Wiese und Hain, Stockholms reiche Gewässer; Schönheit hieß ihm singen, feiern, tanzen; Schönheit hieß Bellman Poesie. Und die richtete sich mit unvermitteltem Zugriff, der Sinnlichkeit verpflichtet, hier zufällig modekonform wie ansonsten ganz abseits aller poetischen Tabus, auf alles, was das Leben ihm zu Gesicht brachte, ließ auch die vom Geschmacke geschmähten Beschreibungen von Armut und Rohheit, von Krankheit und Sterben nicht aus. Ein anthropophiler, humorgetränkter Naturalismus eilt bei Bellman, die Schäferfiguren im Gepäck, seiner Zeit voraus. Und indem er Stil und Natur zu singen wußte, zeigt er sich seinen größten Zeitgenossen verwandt, die sich um den Streit der Moden wenig scherten.

Der Schnaps soll Bellman laut gewisser Beschreibungen zugrundegerichtet haben, was nicht wahr ist. Der Suff hat die Orkusfahrt seiner Asche gewißlich gut geölt, doch wurde Bellmans von der Schwindsucht angegriffene Gesundheit gegen Ende seines Lebens vielmehr durch die armen Verhältnisse untergraben, in welche ihn der Umstand warf, daß sein wichtigster Mäzen und Protektor auf einem Maskenball in der Oper erschossen worden war. 1794 landete Bellman sogar noch für zwei Monate in Schuldhaft, die ob seiner Stellung als Königlicher Hofsekretär zwar milde gehalten, doch hart genug war.

Drei Jahre nach seinem König stirbt Carl Michael Bellman, nicht ohne zuvor sein allerkostbarstes Erbe vererbbar gemacht zu haben, durch die Herausgabe nämlich von zwei Liederbüchern mit rund 150 seiner schönsten "Episteln" (1790) und "Gesänge" (1791). Darin sind Texte und Melodien samt einer einfachen Begleitung für Tasteninstrumente niedergelegt.

Andreas Frye



Johan Tobias Sergel, Entflammtes Paar

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